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Die Sehnsucht des Amateurfußballers

27.04.2020
Die Sehnsucht des Amateurfußballers

Inmitten der Wintervorbereitung oder sogar schon nach den ersten Pflichtspielen wurde der Betrieb vom württembergischen Fußballverband, Corona sei Dank, eingestellt. Seither schwelgt der Laienkicker in Nostalgie.

Profi- und Amateurfußball, der gleiche Sport und doch so anders

Nicht nur der Profifußball liegt still, nein auch die Amateure kennen den Geruch des oftmals holprigen Grün nur noch vom Abrufen alter Erinnerungen. Während es des Profis Job ist, den Ball über den Rasen zu zirkulieren, Runden um den Platz zu laufen und sich taktisch vom Coach berieseln zu lassen, stehen für den Amateurfußballer andere Werte im Vordergrund. Hier sinkt die Qualtiät des Spiels, der Begabung, der Physik teilweise dramatisch. Als Bezirksliga-Fußballer muss man sich eingestehen, dass der Sport, den wir betreiben nicht viel mit dem Sport zu tun hat, der uns allgemeinhin als Fußball aus dem Fernsehen bekannt ist. Oftmals sieht man das Unheil in den unteren Ligen schon von Weitem kommen, wenn zwei rhythmisch und koordinativ eingeschränkte Männer zum Sprint um den freien Ball ansetzen - häufiges Resultat: Zwei schwer in Mitleidenschaft gezogene Männer liegen nach einem Frontalaufprall flach, der Ball baumelt weiterhin seelenruhig und mutterseelenallein vor sich hin.

Echte Werte

Doch darauf kommt es nicht an, wie schön unser Spiel ist oder für welche taktische Spielauslegung wir stehen. Es geht hier um Kameradschaft, Zusammenhalt und Loyalität. Es geht darum Leute an seiner Seite zu wissen, die alles füreinander geben sobald man den Platz betritt, nicht getrieben von irgendwelchen Prämien oder Aufmerksamkeiten. Dreimal in der Woche trifft sich der herkömmliche Amateurkicker mit circa 15 Mitspielern der Altersklasse 20-30. Natürlich gibt es auch immer den ein oder anderen, der es nicht sein lassen kann und lieber mit dem Rolllator auf den Platz törkeln würde als seine Kickschuhe an den Nagel zu hängen. Dennoch: das Gros liegt zwischen 20 und 30. Nun kann man sich vorstellen, dass die Themen bei so einem Aufeinandertreffen nicht unbedingt als philosophisch, geschweige denn pädagogisch wertvoll eingeschätzt würden. Das gegenseitige Aufstacheln, sich Sprüche drücken, das Provozieren, alleine schon das Abklatschen beim Treffpunkt - das alles fehlt. Dem Verliererteam nach dem Abschlussspiel qualvoll und sarkastisch unter die Nase zu reiben, dass wieder einfachere Gegner kommen würden, die sich anbahnende Party nach dem Training am Freitagabend, und sich bei steigendem Pegel auch steigende Fußballer-Fertigkeiten anzudichten, die primtive Rivalität zwischen zwei benachbarten Fußballvereinen - die Reihe meiner Sehnsüchte momentan ist endlos.

Mehr als einfach nur Fußball

Doch sie machen eins deutlich: Es ist nicht das Spiel an sich, das den Fußball so besonders macht, es sind die Begleitumstände, die der Fußball als Mannschaftssport mit sich bringt. Es sind die Emotionen im Spiel, die den Fußball so faszinierend machen. Wenn der unscheinbare Vorzeige-Ministrant alter Tage auf dem Platz plötzlich seine Sitten verliert und der Mutter seines Gegenspielers Tätigkeiten im erotischen Gewerbe nachsagt oder der scheue Pazifist zur Revanche plötzlich die Sense auspackt. Wenn man bedenkt wie belanglos das Spiel per ce ist, doch wie sehr sich die Massen davon anziehen lassen, sei es vom Kleinkind bis zum weisen Greis, vom FC Bayern München bis hin zum Dorfverein um die Ecke, ist das schlicht nur atemberaubend. Fußball ist der Kitt der Gesellschaft, bringt ganze Ortschaften am Wochenende zueinander. Er lässt Menschen alle Sorgen der Welt vergessen, weil ein runder Lederball in einem Stoffnetz zappelt. Und das unabhänigig von der Relevanz für die Welt, ob Ruhrpott-Derbysieger oder Lokalkampf-Triumphator auf der schwäbischen Alb, ob Champions-League Gewinner oder Kreisliga-B-Meister, ist völlig egal, denn die Emotionen sind dieselben, die Lehren sind die gleichen - gemeinsam geht alles. Und das verdeutlicht welche Kraft der Fußball hat. Wer nun sagt, Fußball, das seien 22 aufgeblasene Halbidioten, die einem Ball hinterherrennen, der hat den Sinn dieses Sports nie verstanden. Punkt.

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Dominik

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