Der Maskenschnitzer Günther Wetzel

19.01.2018

Der aus dem oberschwäbischen Bad Saulgau stammende und bis heute dort lebende Günther Wetzel gehört zu den letzten Maskenschnitzern der Region. Mit seinen über 60 Jahren fertigte er schon über 600 Masken an, wobei eine Maske mindestens 20 Stunden in Anspruch nimmt. Zur Verwendung der Masken kommt dabei Lindenholz, da es kein Harz enthält.
Angefangen hat alles mit 13 Jahren, als seine Mutter ihm das Zeichnen beibrachte. Das Schnitzen, das brachte er sich jedoch selbst bei. Heute besitzt Herr Wetzel einen Kundenkreis in der ganzen Welt- u.a. auch in China.

Eigentlich war Herr Wetzel einen Großteil seines Lebens in einer Druckerei angestellt und übte das Maskenschnitzen zunächst nur als Hobby aus. Da in den 1990er Jahren ein sehr großer Zulauf in den Narrenzünften zu verzeichnen war und somit auch die Nachfrage an Masken stieg, wurde es ihm zu viel – Arbeit und Hobby unter einen Hut zu bekommen. So arbeitete er bis um 3 Uhr nachts an seinen Masken und befand sich ab halb 7 wieder in der Druckerei. Daher musste er sich für eines – Druckerei oder Maskenschnitzerei – entscheiden. Herr Wetzel hatte dabei das Glück, dass ihm die Druckerei eine 5-jährige Absicherung zusagte, sprich er innerhalb von 5 Jahren jederzeit in die Druckerei zurückkehren durfte. So entschied er sich für das Schnitzen und konnte sich voll und ganz darauf konzentrieren. Die Ideen der Gestaltung der Masken kommen ihm durch die Überlegung, wie Menschen wohl damals im späten Mittelalter ausgesehen haben könnten. Die Maske der sogenannten "Riedhutzel" schnitzte Herr Wetzel genau passend für seinen Kopf.

Heute tritt er während der Fasnetszeit jeden Tag in der Kreissparkasse in Bad Saulgau auf, um zum Beispiel vor Kindergartengruppen seine über
180 verschiedenen eigens geschnitzten Masken vorzustellen und um den Leuten vor Ort, die Fasnetskultur näher zu bringen.
Nach einer solchen Vorstellung durfte ich ein sehr angenehmes, herzliches, informatives aber auch amüsantes Gespräch mit Herrn Wetzel führen. Auf die Frage nach seinen ungewöhnlichsten Kunden, erzählte er mir eine unfassbare Geschichte: So kamen vor einigen Jahren zwei Männer im mittleren Alter auf ihn zu und baten ihn, um zwei extra von ihm entworfene und geschnitzte Masken. Eigentlich für Herrn Wetzel ganz normaler Alltag... Also schnitze er diese aufwendigen und individuellen Masken, so dass diese nach wenigen Wochen abholbereit waren, was die beiden Männer auch machten. Als kleine Randnotiz: Eine Maske kostet zwischen 250 und 300€... Einige Tage später standen Beamte in Wetzels Werkstatt und verlangten von ihm die Auskunft über zwei Männer, die mit seinen Masken auf dem Kopf, angeblich in eine Bank eingebrochen waren... Bei der Auswertung der Videoaufzeichnungen der Bank, erkannte man klar die Gravur G.W. in der Maske, die Günther Wetzel an jeder Maske hinterlässt. Dadurch konnten die Täter in rekordverdächtiger Zeit ausfindig gemacht und geschnappt werden.

Herr Wetzel kam aus dem Erzählen gar nicht mehr heraus. Im Verlauf des Gesprächs spürte ich zunehmend, was für eine positive Einstellung Wetzel zum Leben hat, obwohl es ihm gesundheitlich nicht so gut geht. Bereits vor 20 Jahren musste er, aufgrund der Krankheit, ein Jahr im Krankenhaus behandelt
werden. Dennoch verlor er nie seine Freude am Schnitzen – im Gegenteil... Im Krankenhaus hielt er es nicht ohne seine Schnitzerei aus, so dass ihm im Keller des Krankenhauses ein kleines eigenes Zimmer zur Verfügung gestellt wurde, um dort schnitzen zu können.

Dort begegnete ihm ein irakischstämmiger Auswanderer, der sich mitten in seinem Medizinstudium befand. Die Beiden verstanden sich so gut, dass der junge Medizinstudent anfing- in seiner freien Zeit- mit ihm zu schnitzen. Als Herr Wetzel einige Jahre später seinen neuen Freund, der inzwischen an die Mecklenburgische Seenplatte gezogen war, besuchen kam, hatte dieser dort bereits seine eigene Praxis. Beim Wiedersehen war die Freude so groß, dass sogar Tränen flossen...

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Nachteule-JulianB

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