„Was machen wir eigentlich an Silvester?“

28.12.2018

Überraschung: ich bin NICHT spät auf. Es ist der 28. Dezember, einer der letzten Tage des Jahres, und ich kann mich zu einer völlig humanen Zeit zufrieden in mein Bett legen, und werde nach einigen Minuten auch schon eingeschlafen sein. Der Grund: zum ersten Mal seit vielen Jahren muss ich mir nicht den Kopf darüber zerbrechen, wo ich Silvester feiern werde, muss die verschiedenen Optionen nicht zu später Stunde gegeneinander aufwiegen.

Zu verdanken habe ich dies allerdings nicht einem ausgeprägten Organisationstalent meinerseits, sondern meiner Schulfreundin, die beschlossen hat, ihren Geburtstag am 31. Dezember auch an diesem Tag zu feiern. Für mich war folglich klar, wo ich den Jahreswechsel verbringen werde. Andere wiederum schienen zunächst wenig begeistert. „Nicht an Silvester!“ beklagten sie sich, aber ganz ehrlich – was ist Silvester denn überhaupt?

Prinzipiell beschreibt der Begriff Silvester den letzten Tag eines Jahres nach gregorianischem Kalender, also nach 365, beziehungsweise in Schaltjahren, nach 366 Tagen. Dennoch ist Silvester nicht gleich Silvester – nicht alle Völker und Kulturen der Erde orientieren sich an der gregorianischen Kalenderrechnung. China beispielsweise feiert sein Neujahrsfest zwischen Januar und Februar, zurückzuführen auf den traditionellen chinesischen Lunisolarkalender. Aufgrund der welt- und teils auch kontinenentweit verschiedenen Zeitzonen wird das neue Jahr außerdem zeitlich versetzt begrüßt.

Betrachtet man Silvester und seinen Anlass einmal etwas abstrakter, lassen sich schnell Fragen nach der Sinnhaftigkeit finden. Die Gesetzmäßigkeiten der Natur wirken unabhängig von jeglicher Zeiteinteilung auf die Erde und die Menschen ein. Tage, Monate, Jahre, Minuten, Sekunden – all dies sind von Menschenhand geschaffene Einrichtungen, die lediglich einer verbesserten Organisation dienen. Ohne Anhaltspunkte wie bestimmte Tage oder Uhrzeiten wäre ein menschliches Miteinander kaum denkbar. Auch die Einteilung in Jahre ist sinnvoll: sie erleichtert die Einordnung historischer Ereignisse, sowie den Vergleich zwischen zwei Zeitspannen, beispielsweise in Punkto Klima, Bevölkerungsstand und demographischen Indices. Auch das Alter einer Person basiert auf der Einteilung je 365 Tage – eine Definition, die aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Viele Menschen assoziieren mit dem Jahreswechsel jedoch mehr als nur eine veränderte letzte Ziffer des Datums. So steht Silvester symbolisch für einen Neubeginn in vielerlei Hinsicht. Das alte Jahr ist wie ein Gemälde oder ein Buch, das soeben vollendet wurde. Es ist bedruckt, beschrieben, geprägt. Je nachdem, wie hell und bunt die Farben dabei sind, fällt es schwerer oder leichter, es gehen zu lassen, es wie viele Bücher oder Bilder zuvor ins Regal zu stellen und nur während kurzen Anfällen der Nostalgie wieder hervor zu holen. Um 00:00 Uhr wird es abgelöst durch eine erste, blanke Seite, Tag 1 von 365. Dies kann bedrohlich und schön gleichzeitig sein. Es weckt ein Gefühl, das nur zu Silvester auftritt und von den Menschen jedes Jahr gleichermaßen ersehnt und gefürchtet wird.

Silvester ist etwas ganz Besonderes – und genau deswegen ist es so schwer, diesen Abend zu organisieren. Die Erwartungen sind hoch, oft trägt der Verlauf der Silvesternacht maßgeblich zu der Einstellung bei, die man dem neuen Jahr entgegenbringt. Hinzu kommt, dass man das neue Jahr am liebsten mit allen beginnen würde, die einem wichtig sind. Sobald sich diese Menschen aber in mehr als nur einem Freundeskreis befinden, wird es gewissermaßen wieder kompliziert. Es entstehen Konflikte, wie die Entscheidung zwischen zwei Feiern (und damit gefühlt zwischen zwei verschiedenen Bekannten oder Verwandten), die Suche nach einer geeigneten Location, die Einigung auf ein bestimmtes Essen und die Überlegung, ob man nicht doch vielleicht lieber spontan in irgendeine Stadt fliegen könnte, wobei dann wieder der soziale Aspekt wegfallen würde… Keine Frage, die Silvesterplanung ist nicht einfach. Und wenn dann die Erwartungen zu hoch sind, ist die Enttäuschung hinterher groß.

Davor kann auch ein Geburtstag, wie der meiner Freundin nicht ganz bewahren. Viele Gäste gerieten nach der Einladung ins Dilemma, weil mit ihrem Verein, Freundeskreis oder Partner schon etwas anderes geplant war. Man wird also auch an der Schwelle zwischen zwei Jahren nicht von schwierigen Entscheidungen verschont. Letztendlich wird jeder seine Entscheidung treffen, ohne dass dadurch Freundschaften oder Beziehungen in die Brüche gehen müssen. Es kommt vielleicht weniger darauf an, mit wem man Silvester verbringt, als mit wem man die 364 Tage dazwischen verbringt. Und am Ende ist es doch nur ein Tag und eine Nacht, wie alle anderen auch. Wir haben immer die Chance, etwas zu verändern, auch wenn es mit dem Schwung des Jahreswechsels manchmal besser geht als sonst.

Wir haben immer die Chance, uns unsere Liebsten zu schnappen und gemeinsam mit ihnen einen schönen Abend zu verbringen, egal ob dieser nun im Dezember oder im Juli stattfindet. Wir haben zu all dem stets die Chance – außer zu spontanen Feuerwerken, denn die sind zwischen dem 2. Januar und dem 30. Dezember in der Regel verboten.

Na dann – Prost Neujahr!
 

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Nachteule-Tabitha

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