Nachteule Tabitha
Nachteule Tabitha
bei Spätauf

24 heures à Paris - Wieso sich auch Wochenend-Trips lohnen können

20.09.2019

Für gewöhnlich ist das spät auf sein eine einsame Angelegenheit. Man könnte fast sagen, wenn ich nachts nicht schlafen kann ereilt mich manchmal der Eindruck, ich sei der einzige Mensch auf der Welt. Allzu beruhigend fand ich diesen Gedanken bisher nicht, aber heute bin ich an dem Punkt angekommen, an dem ich sage: ich wünschte, ich wäre der einzige Mensch hier!

Circa 35 Menschen, die um mich herum in diesem Fernbus sitzen, halten mich erfolgreich davon ab, endlich einschlafen zu können. Die eine keift lautstark in ihr Handy - auf Spanisch. Der andere hat die Lautstärke seiner Musik ein kleines bisschen zu hochgedreht, sodass dumpfe Bässe aus seinen Kopfhörern dröhnen. Und der Busfahrer, der keine Kopfhörer tragen kann, hat sich dazu entschieden, seine außergewöhnliche Vorliebe für Schlager-Radio mit seinen Fahrgästen zu teilen. Zwischen all diesen unterschiedlichen Geräuschquellen sitzen wir: meine beiden besten Freundinnen und ich, auf dem Nachhauseweg von einem Kurztrip nach Paris. Irgendwo zwischen Karlsruhe und Stuttgart, wo der Stau dafür sorgt, dass wir Ulm noch in den frühen Abendstunden erreichen. In weniger als 12 Stunden werden wir bei der Arbeit sitzen. Nicht gerade ein entspannender Gedanke. Besonders, wenn wir uns vorstellen, womit unsere Eltern dieses Problem quittieren werden. Nämlich mit einer hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit mit folgendem Satz: “Selber schuld. Ihr seid ja auch verrückt!”

“Ihr seid verrückt!” Diesen Satz haben wir öfter zu hören bekommen, seid wir vor einigen Wochen die grandiose Idee eines Kurztrips hatten. Trotz eventueller Traumata der französischen Sprache als Schulfach wollten wir alle schon immer einmal nach Paris fahren. Was stets fehlte, waren Zeit und Geld. Durch Zufall entdeckten wir vor einer Weile ein Angebot von FlixBus in Kooperation mit eBay. Für 15 Euro durch Europa hieß es, und es hielt, was es versprach. Für Hin- und Rückfahrt von Ulm nach Paris und zurück mit dem FlixBus bezahlten wir 30 Euro. Mit dem TGV wären es rund 200 gewesen. Booking.com sei Dank fand sich rasch auch ein günstiges Hotel und ehe wir uns versahen, war es auch schon Freitagabend und wir waren auf dem Weg.

Paris tat, als hätten wir August statt Oktober und so konnten wir den ganzen Samstag über bei strahlend schönem Wetter die Stadt erkunden. Im Endeffekt haben wir alles gesehen, was wir sehen wollten. Angefangen beim Eiffelturm, dem Louvre und dem Arc de Triomphe über die Champs-Élysées bis hin zur Pont d´Alexandre und dem Palais du Trocadéro. Die wenige Zeit, die uns zur Verfügung stand, haben wir damit sehr bewusst genutzt und zu schätzen gewusst. Genauso wie den Fakt, dass man in wenig Zeit auch wenig Geld ausgibt. Ein äußerst angenehmer Nebeneffekt! Für uns stand außerdem im Vordergrund, einfach wieder einmal Zeit zu dritt zu verbringen, ein Phänomen, das seit dem Abitur sehr selten geworden ist. Dabei haben wir festgestellt, dass es im Fernbus auf irgendeiner französischen Autobahn genau so lustig zugehen kann wie bei Crepe und Kaffee am Ufer der Seine.

Eins steht fest: ein Wochenend-Trip von Freitag bis Sonntag kann keine längere Reise ersetzen. Im Gegensatz etwa zu einem fünftägigen Trip sieht man bei einem dreitägigen ständig die Uhr ticken. Man filtert die relevantesten Punkte heraus, man bleibt an der Oberfläche eines Ortes hängen. Nein, wir waren nicht auf dem Eiffelturm. Wir haben nicht die Mona Lisa lächeln sehen, sondern nur die Glaspyramiden vor ihrer Residenz bewundert. Wir konnten nicht alle Speisen probieren, die es zu probieren gab und Schloss Versailles war einfach zu weit weg.

Aber: eine kurze Reise ist immer noch besser als keine Reise. Und sie kann schon unheimlich viel bewegen! Von den nervtötenden letzten Stunden spät auf im Fernbus abgesehen waren wir alle sehr zufrieden mit der Organisation unseres Kurztrips. Damit er gelingen konnte, waren einige Maßnahmen sehr hilfreich.

Je weniger Zeit zur Verfügung steht, desto besser sollte sie geplant sein. So gibt es später vor Ort keine Diskussionen, die wiederum zeitraubend sind. Wir haben im Voraus eine Liste mit Sehenswürdigkeiten erstellt, die wir unbedingt sehen wollten. Die einzelnen Programmpunkte haben wir dann zeitlich so geordnet, dass wir zwischen ihnen immer kurze Wege haben. Grundvoraussetzung dafür ist die Einigung auf einen Fokus. Soll es sich um einen Wellnesstrip handeln, oder doch eher - wie bei uns - um möglichst viele neue Orte und Eindrücke in kurzer Zeit? Herrscht darüber innerhalb der Reisegruppe Uneinigkeit, droht die Traumreise zu einer Alptraumreise zu mutieren.

Für uns war von Anfang vor allem eines von Bedeutung: dass wir möglichst wenig Geld ausgeben. Schließlich ist es eben doch nur ein Wochenendtrip, der keine langfristigen Wirkungen auf das Konto haben soll. Falls es im finanziellen Rahmen liegen sollte, würden wir bei der Wahl der Transportmittel für An- und Abreise allerdings auf schnelle Wege wie Schnellzüge oder Flüge setzen. Denn wenn wir einmal ehrlich sind, wir haben wirklich beinahe mehr Zeit in den Fernbussen verbracht als an unserem Ziel.

Eine weitere Idee ist die Nutzung von Couchsurfing. Es handelt sich hierbei um ein Netzwerk, dass auf Gastfreundschaft und Gegenseitigkeit basiert. Menschen bieten Fremden über die Handy-App einen Schlafplatz in ihren Privaträumen an, reisen dann selbst zu Couchsurfern und stellen so eine Art Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen her. Eine gewisse Sicherheit ist möglich, indem die Gäste und Gastgeber sich hinterher gegenseitig bewerten können. Für Kurztrips ist Couchsurfing nicht nur aufgrund der kostenlosen Übernachtung geeignet, sondern auch, weil die Gastgeber ihren Gästen oftmals anbieten, ihnen ihre Heimat zu zeigen. Sie kennen sich aus, wissen was am wichtigsten ist und bieten somit einen deutlich besseren Überblick als die Weiten des Internets und der Reiseführer. Und: mit jedem Kontakt zu Einheimischen steigt die Intensität einer Reiseerfahrung an.

Informiert man sich im Internet, stellt man fest, dass Kurztrips fester Bestandteil des Tourismusgeschäfts und der Reiseanbieter sind. Informationsportale wie kurz-mal-weg.de oder 3-Tage-weg.de bieten einen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten des Reisens im Miniaturformat. Wer es gerne etwas abenteuerlicher hat, für den sind Blindbooking-Angebote das Richtige. Fest steht hier nur, dass die Reise drei Tage dauert und einen gewissen Charakter hat - Strandurlaub, Partytrip oder Städtereise etwa. Bereits ab 69 Euro kann eine solche Reise gebucht werden, je nach Angebot bleibt das Ziel aber bis zum letzten Moment geheim. Blindbooking-Reisen werden beispielsweise von AirLines wie Lufthansa oder Eurowings angeboten und können häufig individuell angepasst werden.

Mich jedenfalls hält meine akute Schlaflosigkeit, das Telefonat der spanischen Frau und Helene Fischers Ballade aus den Lautsprechern über mir nicht davon ab, im Geheimen bereits meinen nächsten Kurztrip zu planen. Der geht dann vielleicht nach Amsterdam. Oder nach Chur? Ach was soll´s, ich warte einfach mal ab, was mir als nächstes über den Weg läuft.

PS: Meiner Freundin steht das FlixBus-Fahren leider bis zum Kopf. Ich bin auf der Suche nach einer weiteren Reisebegleitung. Bei Interesse: gebt Bescheid!

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