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Flixbus - Ein grüner Bus erobert die Welt

Nachteule-Tabitha
30.08.2019

Daniel Krauss, André Schwämmlein und Jochen Engert sind spät auf. Sie hätten eigentlich alle Zeit der Welt, um zu schlafen, aber eine bestimmte Vision hindert sie daran. Die drei Jungs wollen unbedingt ein StartUp gründen.

Eigentlich sind sie junge Erwachsene wie alle anderen auch: Daniel ist vor seiner FlixBus-Zeit Volleyballtrainer, jobbt bei Siemens und entdeckt dabei sein Interesse für Wirtschaft und Informatik. Als er sein Studium in dieser Richtung abschließt, treibt er eine Weile im Meer der Möglichkeiten, arbeitet in Detroit und München. In dieser Zeit ist er immer wieder mit seinem ehemaligen Schulfreund André Schwämmlein in Kontakt. „Was können wir besser machen?“ fragen sie sich bei nächtlichen Besuchen in der Münchner NewsBar. Solange, bis die zündende Idee kommt, und den Namen „GoBus“ trägt. Dies wird möglich, weil im Koalitionsvertrag des Jahres 2013 das Fernreise-Monopol der Deutschen Bahn aufgehoben und das Geschäft mit der Fernreise liberalisiert wird. Die Startschienen, oder eher Straßen sind gelegt.

„Du entscheidest dich, dass du dein Leben erstmal für das Unternehmen eintauschst“, sagt Daniel Krauss im Jungunternehmer Podcast von Fabian Tausch. „Das ist quasi ein Teil von dir.“ Dieser Teil liegt ihnen deswegen so am Herzen, weil ihr Ziel klar ist: sie wollen das Reisen mit Fernbussen erleichtern, den zu diesem Zeitpunkt, im Jahr 2011, untransparenten Markt für den Kunden zugänglicher zu machen. Als dritter ist Jochen Engert im Boot. „Als mein Kompagnon André Schwämmlein und ich sichere Jobs bei einer Unternehmensberatung verließen und ins Busgeschäft einstiegen, hielten uns viele für verrückt.“ sagt er im Gespräch mit Journalist Thomas Wüpper. Aber ihr Konzept geht auf: sie digitalisieren den Bus als traditionelles Verkehrsmittel, indem sie eine Website und eine Smartphone-App zur einfachen Buchung erstellen. Die Preise der Bustickets entstehen durch ein dynamisches Preismanagement. Das Preissystem ist denkbar einfach: Je früher man bucht, desto günstiger wird es, und je höher die Nachfrage, desto teurer die Tickets.

Dass Flixbus seit seiner endgültigen Gründung im Jahr 2013, und spätestens seit dem „internationalen Durchbruch“ 2015 so boomt, liegt zum größten Teil an diesem Preissystem. Um ein aussagekräftiges Beispiel zu geben: eine Fahrt vom Bahnhof in Stuttgart nach Berlin Hauptbahnhof an einem zufällig ausgewählten Tag kostet bei der Deutschen Bahn 89,90 Euro. Zum Vergleich: mit dem von FlixMobility eingesetzten FlixTrain kostet die Fahrt von Stuttgart nach Berlin am selben Tag 9,99 Euro. Ganz abgesehen von diesen Preisen fällt bei der Recherche die deutlich angenehmere Benutzeroberfläche von FlixBus auf. Dieser Fokus auf den Kunden war den Gründern wichtig, ebenso wie der Komfort an Bord. Die unverkennbaren grünen Busse sind ausgestattet mit Steckdosen, Toiletten und WLAN, außerdem ist der Abstand zwischen zwei Sitzen größer als in gewöhnlichen Reisebussen.

Nach insgesamt sechs Flixbus-Fahrten, die ich bisher nach Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg und zurück unternommen habe, kann ich das Vorhandensein dieses Komforts definitiv bestätigen. Verspätungen hatte ich erst einmal, an diesem Tag wurde ich per SMS über eine fünfzehnminütige Verzögerung informiert, die dann auch wirklich nur fünfzehn Minuten dauerte. Als ich daraufhin verspätet in Nürnberg ankam, in der festen Annahme, mein Anschlussbus nach Bielefeld wäre schon weg, kam mir der Busfahrer des Anschlussbusses höchstpersönlich entgegen und nahm mir meine Tasche ab: er hatte gewartet. Wohingegen ich bei der Deutschen Bahn ein Lied singen kann – von verpassten Anschlusszügen, hundert Jahren Verspätung und kompliziertes Verfahren in Puncto Entschädigung.

Zwei Mal habe ich bereits Buchungen geändert, und ich war begeistert von der Einfachheit dieses Verfahrens. Die Kosten der stornierten Fahrt werden wir als Gutschein zurückgegeben, den du dann für die neue Fahrt verwenden kannst, die Stornierungsgebühr ist mit höchstens 5 Euro - ein Witz und das alles ist bis zu fünfzehn Minuten vor Abfahrt möglich. Ich kann mit großer Sicherheit sagen, dass ich einen Großteil der Reisen der letzten paar Jahre ohne FlixBus nicht antreten hätte können. Nach Bielefeld etwa hätte ich sonst mit einem sündhaft teuren Zug fahren, drei Mal umsteigen und dabei immer auf die Pünktlichkeit der jeweiligen Züge hoffen müssen. Dies ist ein weiterer Grund für den Erfolg von Flixbus: Das Streckennetz und das Angebot an Direktverbindungen sind extrem groß. In wenigen Tagen mache ich die Probe aufs Exempel: dann fahre ich 21 Stunden mit dem Flixbus von Ulm nach Neapel. Preis: knapp 50 Euro. Mit dem Zug hätte ich 273,30 Euro gezahlt.

Aber wo liegt der Haken an einem so perfekt scheinenden System? Irgendeinen muss es doch geben, schließlich gibt es im Leben selten etwas umsonst oder preisgünstig, ohne dass es eine zweite Seite der Medaille gibt. Es gibt sie. Hinter der schillernden Fassade von Flixbus versteckt sich die Tatsache, dass das Unternehmen, das für günstige Busreisen wirbt, nur einen einzigen der zahllosen Busse selbst besitzt. Flixbus Mobility selbst kümmert sich um die Buchung der Tickets und das Aufstellen der Streckennetze, das Fahren jedoch wird an Subunternehmen abgegeben. Das sind regionale Busunternehmen, die für die Zusammenarbeit mit Flixbus lediglich ihre Busse mit dem schicken Grün verkleiden müssen. Anschließend sind sie verantwortlich für die Ausführung der Streckenaufträge, sowie für Technik und Wartung der Busse.

Dass das nicht immer reibungslos funktioniert, zeigt der Austritt von 20 Busunternehmen im Jahr 2016 aus der Zusammenarbeit. Mit der Auskunft, sie würden mehr Verluste machen als Gewinne. Die niedrigen Ticketpreise erkaufe sich Flixbus durch die schlechten Arbeitsbedingungen, heißt es. Darunter fallen Vorwürfe, auf langen Strecken würde lediglich ein Fahrer eingesetzt werden. Daraus würden gesundheitliche Probleme der Fahrer resultieren, so soll ein Busfahrer einen Zusammenbruch erlitten haben und danach von seinem Vorgesetzten der Arbeitsverweigerung bezichtigt worden sein. Die Einhaltung der Pausen- und Lenkzeiten, die Pünktlichkeit – für die Subunternehmer ein hoher Druck.

Die Kritik hat mittlerweile auch Flixbus Mobility erreicht. Flixbus-Sprecher Georg Hintz spricht bei den 20 von „nur ein paar“ ausgestiegenen Subunternehmen und befindet, dass dies bei insgesamt 200 Kooperationen „ein normaler Vorgang“ sei. Zu einer Auseinandersetzung mit der Ursache der Ausstiege gibt es bisher keine öffentlichen Aussagen. Währenddessen steigt die Zahl der Verkehrsunfälle, in denen Flixbusse verwickelt sind. Hinzu kam vor kurzem die Meldung einer dreistündigen Irrfahrt eines Busses. Ist das zurückzuführen auf den steigenden Druck auf die Subunternehmer? Manchmal hat man den Eindruck, ihn schon zu spüren, wenn die Busfahrer bei Ankunft aus dem Bus steigen, um die Koffer einzuladen. Auf der anderen Seite – jeder Mensch ist anders, und ein gewisses Maß an Stress gibt es wohl in jeder Arbeit. Deswegen wird wohl kaum einer misstrauisch werden, nur weil der Busfahrer schlechte Laune hat.

Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er das Angebot von Flixbus nutzt und damit wohlmöglich ein Konzept mit Verlierern unterstützt, oder auf teurere Alternativen zurückgreift. Für mich persönlich sieht die Wahl folgendermaßen aus: Reisen mit FlixBus – oder keine Reisen durch Europa. Alles andere lässt mein Konto leider selten zu. Deswegen werde ich wohl auch weiter bei FlixBus buchen. Ein guter Tipp ist es aber, vor Buchung der Reise auf www.goeurope.com die gewünschte Strecke einzugeben. Ähnlich wie skyscanner bei Flügen oder bei booking.com bei Hotels sucht diese Homepage die günstigsten Bus-, Bahn- und Fährverbindungen heraus und erleichtert so die Reiseplanung. Manchmal sind beispielsweise Verbindungen mit dem Fernbusunternehmen EUROLINES sogar günstiger als Flixbus. Ob die Arbeitsbedingungen bei anderen Fernbusunternehmen wesentlich anders sind, weiß wohl keiner so genau.

Es braucht viel Einsatz, gute Ideen und wohlmöglich die eine oder andere schlaflose Nacht, und vielleicht gibt es eines Tages eine Lösung für dieses Problem. So lange es immer so kreative Köpfe gibt wie Daniel Krauss, Jochen Engert und André Schwämmlein, stehen die Chancen dafür gut.

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