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Geschichte kurz und knapp - Räuber wohin man sieht

Geschichte kurz und knapp - Räuber wohin man sieht

Die Räuber sind in der Gegend um Pfullendorf Namensgeber vieler Attraktionen und Unternehmungen, aber warum?

Räuberland, Räuberbahn, Räuberführung, Räuberzinken…. aber warum? - Hier gibt es eine Erklärung, natürlich kurz und knapp! 

 

Um 1800 waren die Wälder Oberschwabens voll von Räubern und Vagabunden.

Die Gründe für die Verbreitung von Räubern und zwielichtigen Banden liegt sicherlich in den vielfältigen Veränderungen dieser Zeit begründet. So führten der Rückgang von Seuchen und die Heiratserlaubnis für Gesellen und Gesinde zu einem enormen Bevölkerungswachstum. Der Wegfall vieler Klöster und damit der Wegfall von Arbeitsplätzen und die Unterstützung Bedürftiger als Folge der französischen Revolution sowie die Kriege hinterließen eine zerstörte Infrastruktur und eine fehlende stabile staatliche Ordnung. Die Kosten für Grundnahrungsmittel und den Lebensunterhalt stiegen stark an und somit griffen Armut und Hungersnot mehr und mehr um sich.

In diesen unsicheren und schwierigen Zeiten erblühte das Räuberleben. Die düsteren Gesellen kundschafteten die Dörfer und Städte der Region aus und waren eine ständige Bedrohung. Gerade in unserer Gegend, wo die ehemaligen Länder Königreich Württemberg, Großherzogtum Baden und Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen aufeinandertrafen, fanden die Räuber beste Bedingungen für ihre Diebeszüge und eine schnelle Flucht. Dichte Wälder und undurchdringliche Moore prägten die Landschaft. Die Gegend war nur dünn besiedelt, durchsetzt mit vielen einzelnen Gehöften. Die Polizeipräsenz ließ zu wünschen übrig. Räuber wie der Schwarze Vere wurden zu gefürchteten und weitbekannten Persönlichkeiten. In den Jahren 1817 bis 1819 konnten viele Überfälle dem Schwarzen Vere und seiner Bande zugeschrieben werden. Im Mai 1819 gelang es schließlich die Bande festzunehmen und in Biberach einzusperren. Doch so banal endet die Legende des Schwarzen Vere nicht. „Am 20. Juli 1819 zieht ein Gewitter über Biberach. Um 21.45 Uhr schlägt ein gewaltiger Blitz in den Siechenturm ein. Dort ist der Schwarze Vere angekettet. Von der Wetterfahne fährt der Blitz am Kamin entlang bis zum zweiten Stockwerk, wo er vom Kamin auf die Kette springt, an der der Schwarze Vere gefesselt ist, und tötet diesen sofort.“ So wird der Tot des berüchtigtsten Räubers Oberschwabens unter schwarzervere.de beschrieben.

 

Der Schwarze Vere oder Schwarzer Veri, wie er auch genannt wurde, hieß mit bürgerlichem Namen übrigens Franz Xaver Hohenleiter und wurde 1788 im schwäbischen Ort Rommelsried bei Augsburg geboren. Seine Bande führte er zu Diebestouren auch durch das heutige Dreiländereck von Österreich, der Schweiz und Deutschland. Im Pfrunger-Burgweiler Ried kann man bei einer herrlichen Wanderung übrigens die Stelle besichtigen, an der der Schwarze Vere verhaftet wurde. Ausführlichere Informationen dazu gibt es unter https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/oberschwaben-allgaeu/schwarzer-vere-und-schloss-in-koenigseggwald/109952970/#dm=1

 

Aber nicht nur der Schwarze Vere und seine Bande versetzten Städte und Dörfer in Angst und Schrecken. Etliche Räuberbanden zogen durch die Gegend und hinterließen ihre Zinken und leere Vorratskammern.

Die Räuberzinken waren eine Art Zeichensprache, mit der man Komplizen geheime Botschaften hinterlassen konnte. Sie wurden an Türstöcken oder Gartenzäunen eingeritzt oder an Mauern angezeichnet. Vorsicht: diese Methode wird heutzutage auch noch von Verbrecherbanden genutzt. Auf die Spuren der Zinken und geheimen Botschaften können sich Familien auf dem Pfullendorfer Zinkenpfad machen. Mehr dazu gibt es unter https://www.pfullendorf.de/stadt/tourismus-kultur/raeuberbahn/veranstaltungen-angebote/#anchor_7f753c31_Accordion-Zinkenpfad---Erlebnisweg-fuer-Raeuberkinder oder einen ersten Erfahrungsbericht hier bei blubbr unter https://www.blubbr.de/pfullendorf-landkreis-sigmaringen/blogs/Mira/artikel/Pfullendorfer-Zinkenpfad-Spazieren-auf-Raeuberspuren.php

 

Zur Verständigung nutzten die Räuber eine Geheimsprache, das so genannte „Rotwelsch“. Das Rotwelsch ist eine Kunstsprache, die es einem ermöglichte sich mit anderen Fahrenden oder Vagabunden auszutauschen. Michael Barczyk hat die Entstehung des Rotwelsch in seiner „SPITZBUBENCHRONIK – OBERSCHWÄBISCHE RÄUBERBANDEN“ aufgearbeitet. Das Rotwelsch setzt sich aus verballhornten oder alten deutschen Wörtern zusammen, wie zum Beispiel Jäger = Heckenscheißer, brummeln = beichten, quasseln = reden und aus Ausdrücken, die von anderen reisenden Gruppen übernommen wurden. Zum Beispiel von vagierenden Studenten übernahmen sie lateinische Ausdrücke (z. B. Hospes = Wirt), von Lombarden italienische (z. B. grandig = groß), von Hausierern aus der Slowakei slawische (z. B. Puschke = Waffe), von den Zigeunern romanische Wörter (z. B. tschi = ja), von jüdischen Kleinhändlern jiddische (z. B. kess = gaunerisch, Kochem = Gauner). Auch Siegmund A. Wolf hat sich 1985 ausführlich mit dem Rotwelsch auseinandergesetzt und seine Ergebnisse im Buch „Deutsche Gaunersprache Wörterbuch des Rotwelschen“ zusammengefasst. Eine wichtige Grundlage für die Untersuchung der Gaunersprache stellt das „Das Pfullendorfer Jauner-Wörterbuch“ von 1820 dar. Diese amtliche Publikation des Bezirksamts Pfullendorf beruht auf Befragung des Räubers und Diebes Kaspar Ott von Gersau. Es enthält 737 Vokabeln und deren Übersetzung.

 

Bei dieser ereignisreichen Räuberhistorie in unserer Gegend ist es nicht verwunderlich, dass die Räuber Pate für eine Vielzahl unterschiedlicher Freizeitaktivitäten, Führungen und Veranstaltungen sind.

 

Egal ob man mit der Räuberbahn von Aulendorf nach Pfullendorf fährt; die Kinder auf der Räuberburg im Pfullendorfer Stadtgarten toben; man bei einer Räuberführung erste Einblicke in das Rotwelsch mit dem waschechten Ganoven Grandscharle (voraussichtlich wieder ab 2021) erhält oder die Familie sich mit dem Räubernachfahren Max Elsässer auf einen Streifzug durch Pfullendorf begibt… in Pfullendorf findet man viele Spuren der einstigen Ganoven und deren Geschichten. 

Wer einen kleinen Einblick in die vergangene Zeit und das Pfullendorfer Räuberleben erhalten möchte schaut am besten den Film dazu unter https://www.pfullendorf.de/stadt/tourismus-kultur/stadtrundgang-fuehrungen/

 

Mehr zur Räuberbahn, den Fahrtzeiten und den Attraktionen findet man hier https://www.pfullendorf.de/stadt/tourismus-kultur/raeuberbahn/?navid=448214448214 oder unter www.raeuberbahn.de

 

Auch in den Nachbargemeinden findet man viele interessante und unterhaltsame Räubererzählungen. Am besten informiert man sich bei der Ferienregion nördlicher Bodensee unter  https://www.noerdlicher-bodensee.de/

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